Hartmut Heil scheibt in der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins Movie zum Konzertverbot für das HQ folgendes:
Prinzipiell ist es toll, dass es ein Ordnungsamt gibt. Besonders hübsch sind die Abteilungen „Hundewesen“ und „Künstlernamen“. Sollte man sich jemals den Künstlernamen „Jaqueline Irmdorf-Spenzerbach“ zulegen, dann wäre das Ordnungsamt Aachen die erste Adresse, der man das mitteilen würde. Und wenn man ein Hundewesen wäre, könnte man sich gewiss hervorragend vom Ordnungsamt verwalten lassen.
Fast noch großartiger ist, dass die städtischen Nach-dem-Rechten-Seher liebevoll kontrollieren, ob die Menschen unserer Stadt auch Genehmigungen für die Dinge haben, die sie treiben. Und manchmal muss das Amt seinen Bürgern ein wenig auf die Finger klopfen, wenn sie allzu genehmigungslos herumwurschteln. Das Hauptquartier in der Promenadenstraße ist so ein Fall. Weil das Lokälchen keine offizielle Genehmigung für Live-Musik hat, soll es dort in Zukunft auch keine Konzerte mehr geben. Sonst drohen üppige Strafen.
Natürlich hat das Ordungsamt vollkommen recht. Niemand möchte in einer Welt leben, in der jeder genehmigungslos und ungestraft Musik verursachen kann. Ganz bestimmt würden sich alle Leute auf dem Marktplatz versammeln, saufen, grölen, Spirituosen an Kinder verteilen und sich nachher gegenseitig verprügeln. So weit darf es niemals kommen! Höchstens an Karneval, aber das ist dann Brauchtum.
Vielleicht gäbe es aber auch die klitzekleine Chance, einem Laden wie dem Hauptquartier eine Art Brauchtumsbonus einzuräumen. Denn hier würde der Begriff „Brauchtum“ endlich mal funktionieren. Diese Stadt braucht nämlich Institutionen und Menschen, die auch ohne Marketinggetue und Anspruch auf Fördergelder kontinuierlich wichtige und belebende Kulturarbeit leisten. Das Hauptquartier hat genau dies jahrelang getan. Und wenn man hier wegen einer fehlenden Genehmigung gewachsene und funktionierende Strukturen zerstört, die aus purem Idealismus zusammengehalten werden, dann ist das ein sehr seltsames Zeichen in einer Zeit, in der so innig über die angespannte Lage im Kultursektor gejammert wird.
Also liebes Ordnungsamt, bitte denk noch mal drüber nach, ob man nicht ausnahmsweise wieder Konzerte im Hauptquartier zulassen könnte. Ich würde dafür sogar auf meinen Künstlernamen und mein Hundewesen verzichten.
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Hartmut Heil.)
Dem kann ich mich nur anschließen, wobei ich selbst leider weder Künstlernamen noch Haustier in die Waagschale werfen kann.